Drehmoment & Wendepunkt
Der Podcast für alle, die noch nicht fertig sind. Mit Sport, Gesundheit, Ernährung, Spaß an Fitness und dem Leben ;-)
Wir sind Christian Anderl und Daniel Lustig.
Ein 50 jähriger Papa und Fotograf, der die letzten 15 Jahre zu viel gesessen ist und ein Ausdauer Coach, der Athleten mit der richtigen Mischung aus Schlaf, Ernährung und Training zu Höchstleistungen bringt.
Mit diesem Podcast wollen wir nicht zuletzt zeigen, wie einfach es sein kann auf seine Gesundheit zu achten und auf entspannte weise wesentlich Leistungsfähiger zu werden.
Auch als Video Podcast: https://youtube.com/playlist?list=PLb_lU_kpWy81dTIY72ufgXn-ZEpxDY7ef&si=8f26A6co07J5ZrNz
Drehmoment & Wendepunkt
#055 - Warum gute Radfahrer oft schlechte Läufer sind (wissenschaftlich erklärt)
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Warum können viele starke Radfahrer nicht gut laufen – während gute Läufer oft problemlos aufs Rad wechseln? In dieser Folge sprechen Daniel und Christian über die physiologischen Unterschiede zwischen Laufen und Radfahren, typische Fehler beim Umstieg und warum Muskeln, Sehnen und Knochen unterschiedlich auf beide Sportarten reagieren. Eine spannende Episode für Radfahrer, Läufer und Triathleten.
Es gibt eine gewagte Behauptung in der Sportcommunity. Die habe ich schon öfter gehört. Und du schaust neu.
SPEAKER_00Ich glaube, das ist keine Behauptung der Sportcommunity, sondern von Trainern.
SPEAKER_02Achso, von Trainern, ja. Aber ich lerne gerade am eigenen Körper, woher sie kommt und warum ihr das sagt. Gute Radfahrer sind keine guten Läufer. Lustigerweise, nicht immer, oder lustigerweise höre ich aber auch oft umgekehrt, sind gute Läufer oft gute Radfahrer. Ja.
SPEAKER_00Eher. Why is that? Ja, das ist ein spannendes Thema, das ich in letzter Zeit sehr oft mit meinen Kollegen und Kolleginnen, also mit dem Hannes und mit der Therese auch schon besprochen habe, weil wir immer wieder die Erfahrung machen, dass gute Läufer sehr, sehr gute Radfahrer sind. Also jetzt rein vom Herz-Greifersystem und welche Leistung sie aufs Spedal bringen. Du kannst natürlich als Radfahrer sehr viel auch über die Technik machen, auf Positionierung in der Gruppe etc. Also ich möchte jetzt das jetzt einmal außen vor, da reden wir jetzt rein vom Leistungsaspekt. Und umgekehrt sieht man aber oft, dass die Radfahrer ihre Leistung nicht wirklich aufs Laufen abrufen können.
SPEAKER_02Ich zeige auf. Ja. Achso, du auch nicht. Ja, ich auch. Das überrascht mir jetzt. Jetzt sitzen wir beide mit der oberen Hand. Das überrascht mir jetzt. Also damit hatte ich nicht gerechnet. Ich meine, der Ahnungslose in mir würde jetzt sagen, naja, gut, das ist nicht wirklich ein Wunder, weil Laufen ist für den Gesamtkörper, merkt man ja einfach ein bisschen anstrengender durch die Impact, das dauernde, also das ist einfach anstrengender. Das heißt, man ist auch, das habe ich schnell gelernt, man ist tendenziell mit dem Puls einige Schläge höher, obwohl man immer noch in Zone 2 ist, plötzlich ist oder nicht. Oder nein, okay. Also nicht Herz-Kreislauf, Zone 2, aber das, was du als Zone 2 da hinschreibst, ist bei mir dann im Puls mindestens sieben Schläge höher. Obwohl das Komische ist, ich kann das lang, also ich habe nicht das Gefühl, dass es mich mehr ermüdet. Es ist ein ganz eigenartiger, also ganz eigenartiges Neues kennenlernen von Herz-Kreislauf zusammenarbeiten mit den Beinen. Deswegen, da ahnungslose, ich würde sagen, ja, kein. Das eine ist anstrengender und wenn ich mir dann aufs Rad setze, dass ich insgesamt das einfacher ist oder leichter in der Gesamtbelastung, ja, kein, dass das dann einfacher läuft. Aber wahrscheinlich gibt es da noch ganz andere Prozesse dahinter. Oder ist es das schon? Nein. Hätte mich auch gewundert, wenn wir die extra Studieren geschickt hätten für sowas.
SPEAKER_00Das soll man nicht klären. Nein. Nein. Das kommt aus der Erfahrung. Vor allem auch aus der Eigenerfahrung. Vielleicht aus der Eigenerfahrung, was ich immer sagen kann, jedes Mal, wenn ich eine gute Laufform hatte in meinem Leben, hatte ich auch eine gute Radform. Jedes Mal, wenn ich eine gute Radform hatte, hatte ich nicht automatisch eine gute Laufform. Also nicht automatisch. Es hat schon zusammengespielt auch. Ab und an, das war halt so dieses klassische Triathlon, Mittel- und Langdistanzdraining, da war Laufform und Radform ganz gut. Aber nur weil die Radform gut war, heißt das noch lange, dass die Lauffirm gut war. Punkt 1, also den ich aufgreifen möchte, ist, du hast gesagt, ich schreibe dir eine P's, die Zone 2 sein sollte und Herzfrequenz ist irgendwo weg. Ja, weg, jetzt nicht.
SPEAKER_02Aber schon 140. Eher 140 statt 127.
SPEAKER_00Da gibt es jetzt zwei Sachen, die man immer ansetzen könnte. Punkt 1, als das Gema, was ich da gleich mal sagen muss, wir beide haben keine Laufdiagnostik gemacht. Das heißt, so richtig, wo deine Zone 2 liegt, wissen wir nicht. Weiß ich auch nicht. Ist mir aber jetzt an diesem Punkt auch einmal egal. Aus einem ganz einfachen Grund, mir geht es einmal darum, dich regelmäßig mit einer Laufbelastung quasi zu triggern, dich regelmäßig laufen zu schicken, langsam vom Volumen heranzuführen, auch so, dass du das Gefühl hast, boah, das überfordert mich jetzt gar nicht, das ist eigentlich fast ein bisschen zu wenig und zu locker. Dann sind wir genau richtig unterwegs. Nämlich folgender Punkt. Deine Muskulatur passt sich extrem schnell an. Das ist auch der Punkt, warum es beim Radfond teilweise so schnell geht. Deine Sehnen und Bänder brauchen aber eine Zeit lang. Die brauchen ungefähr doppelt bis dreimal so lang wie die Muskulatur, bis sie sich anpassen. So bemerkt. Und deine Knochen auch. Das heißt, du brauchst einfach viel mehr Zeit, um das anzupassen. Also wenn es sich muskulär quasi locker anfühlt, müssen wir aber die anderen Komponenten auch mitnehmen. Und du hast plötzlich eine Stoßbelastung, die ich dir aber nur so zutreue, weil wir seit ein Dreivierteljahr, Jahr, Dreivierteljahr, glaube ich, jetzt Krafttraining implementiert haben. Deshalb ist dein Körper auch das gewohnt und hat zum Thema Knochengesundheit etc. schon mal einiges aufgebaut. Deshalb kannst du das auch so gut wegstecken. Aber die Herzrequenz ist halt massiv weiter oben. Und ich würde jetzt, wenn ich es jetzt wirklich rein trainingswissenschaftlich analysiere, welche ein großes Fragezeichen dahinter stehen, ob es wirklich Zone 2 ist. Also ob wir mit den Läufen wirklich den Grundlagentraining treffen. Jetzt werden sich vielleicht manche da draußen denken, naja, er redet immer von Leistungsdiagnostik und von Zonen genau treffen, jetzt widerspricht er sich. Aus einem ganz einfachen Grund, weil, wie gesagt, mir geht es einmal darum, deinen Körper daran zu gewöhnen, weil wenn wir jetzt eine Leistungsdiagnostik machen würden, haben wir zwar jetzt akkurate Daten. Allerdings gehe ich davon aus, dass sich dein Herz-Greifersystem viel schneller anpasst, als wenn wir nicht diese ganze Radbasis hätten. Deshalb mache ich jetzt noch keine Leistungsdiagnostik, sondern mir geht es einfach darum, dass du mal konstant über die Wochen, über die Monate einen gewissen Grundstock an Kilometer sammelst.
SPEAKER_02Wenn ich mich recht erinnere, auch ganz am Anfang beim Radtraining gesagt, das ist mir eh lieber, wenn du mal vier Wochen einfach nur fährst und dann machen wir Leistungsdiagnostik, damit mal eine grundsätzliche, weil sonst, das macht Sinn, weil sonst wird sich das zu schnell ändern.
SPEAKER_00Ich mache selber gerade nichts anderes. Also ich bin in einer ähnlichen Situation. Ich komme die letzten Jahre immer wieder laufen, probiert, zu schnell Volumen gesteigert, dann richtige Verletzungen, Wahnsinn, aber immer wieder ein Zwicken und problematisch. Und mittlerweile bin ich so, dass ich sage, naja, so 30 Kilometer die Woche, das geht sich bei mir komplett schmerzfrei aus. Und ich versuche zu langsam hochzugehen. Langsam hochzugehen heißt diese Woche 30, nächste Woche vielleicht 31, 32. Woche drauf, so langsam. Ich hätte es 35 getan. Nein. Weil du musst das prozentuell ausrechnen. Von 30 auf 35, da sind fast 20% dazu.
SPEAKER_01Ja, stimmt.
SPEAKER_00Und deshalb vielleicht jetzt nicht 31, aber eher so 32, 33. Da sind wir auch schon bei 8 bis 10%. Und dann von die 33 auf 35, 36. Also wirklich so ganz langsam steigern, um da eine Kontinuität reinzubekommen. Und auch ein Punkt, den ich bei den Leistungsdiagnostiken dann immer wieder mitgebe, ist, versuchen wir es nicht immer aufs Volumen der Woche zu sehen und wirklich über die langen Läufe dann zu machen, sondern über die Häufigkeit zu kommen. Weil dann hat der Körper mehr Zeit zu regenerieren, dann bleibt die Lauftechnik auch erhalten. Weil durch die Ermüdung schlappt sich dann so eine schlechte Lauftechnik ein. Und das ist natürlich ein Punkt, den ich verhindern möchte. Und bei dir haben wir jetzt zum Beispiel die erste Zeit haben wir nur Grundlage gemacht, die keine Grundlage waren, sondern die einfach mal Läufe waren, aber jetzt nichts Hochintensives. Dann habe ich da jetzt schon die ersten Intervalle eintragen. Die sind schief gegangen. Also schiftiger.
SPEAKER_02Es waren meine ersten Laufintervalle und das war zum ersten Mal ist auf meiner Uhr dann gestanden, so 500 Meter hart. Und ich habe mir in dem Moment vorher überhaupt nicht drüber nachgedacht, nur in dem Moment ist mir klar worden, ich weiß ja gar nicht, was hart für mich ist. Ich habe keine Ahnung, was du meinst jetzt mit hart. Da war ich eine Pacing-Vorgabe drin. Ich bin halt einfach einmal losgestartet und habe nachgeschätzten 300 Metern verstanden, okay, die 430 werde ich nicht halten. Das wird sie nicht ausgehen. Aber ich habe mich da herangetastet. Also ist ja auch mal gut, das herantasten und ein Gespür dafür zu kriegen. Aber ich war stolz auf die 4.30, auch wenn ich es nicht einmal 500 Meter geschafft habe. Also seitdem bin ich nur noch fassungslos, wenn ich sehe, dass Leute irgendwie aufs Stravasee meine Freunde laufen gehen, die dann irgendwie so 4.30 Uhr die ganze Zeit durchziehen und irgendwann, wie?
SPEAKER_00Ja, das ist anders kaputt. Also der Krisi, mit dem ich das rangefahren bin, du kennst ihn aus Erzählungen, der ist gestern in Rosna-Karte laufen, den Hobbylauf gelaufen, die 6 Kilometer mit, glaube ich, knapp über einer 3 APs. Und danach ist er beim Hauptlauf nochmal zwei Runden gerennt und ist dann mit 310, 3,15 APs mit einem Lächeln noch zwei Runden gelaufen, also wirklich mit einem Lächeln und einer Unangestrengten, das ein Wahnsinn ist. Aber ja, also wie gesagt, auch da vielleicht ein Verweis zur vorigen Folge, Post-Trace Plus, sich auch da jetzt nicht auf dieses Leistungsniveau. Das kommt beim Krisi auch nicht von ungefähr.
SPEAKER_02Grundsätzlich muss man wieder daran erinnern, Vergleich ist der Tod aller Freude und gerade das trifft auf solche Themen ganz besonders zu. Ich vergleiche mich nur mit dem, was ich vorher gehabt habe und da bin ich schon durchaus.
SPEAKER_00Um zurückzukommen zu deinem Lauf, auch noch ganz wichtig, einmal hier wieder jetzt einfach mal den Körper dran zu gewöhnen an die Lauf, an die Impactbelastung. Weil das Thema Hämolyse haben wir noch nicht besprochen. Hämolyse ist die Zerstörung roter Blutkörperchen durch die Impactbelastung. Wenn wir natürlich laufen gehen, zerstören wir mehr rote Blutkörperchen, weil durch jeden Aufprall ein bisschen was kaputt geht. Und da wird es jetzt auch wieder ganz interessant, da möchte ich, wer das in Langform erklärt haben will, sei Podcast-Episode mit der Marion, die ich mit der Marion gemacht habe, zum Thema Supplemente. Da haben wir Eisen lang besprochen. Und wenn ihr mal richtig viel Freude bei der Marion im Gesicht sehen wollt, dann lasst es einfach über Eisen und Ferritin reden. Da geht ihr das Herz auf. Und da hat sie auch das Thema der Hämolyse angesprochen. Nämlich der Punkt, wenn ich natürlich viel laufen gehe, viele rote Blutkörperchen zerstöre, aber einen niedrigen Eisenwert habe, werde ich mich auch nicht entwickeln beim Laufen. Weil ich natürlich ständig auf diese roten Blutkörperchen hinhaue und rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff. Und wie soll ich mich beim Laufen entwickeln, wenn der Körper die nicht nachproduzieren kann? Weil in jedem roten Blutkörperchen sitzt in der Mitte ein Eisenmolekül.
SPEAKER_02Aber lass mich raten, das heißt jetzt nicht pauschal, dass wenn wir laufen gehen, müssen wir Eisen supplieren. Nein, sondern wir müssen vielleicht das Eisen checken lassen.
SPEAKER_00Genau, Eisen checken lassen im großen Blutbild, Eisen und Ferritin etc. Wie gesagt, haben wir in der Podcast-Folge auch alles schön zerlegt, haben wir auch zerlegt, warum man sich nur sich dem Normwert unterlegen sollte, sondern warum man auch ein anderes Niveau ansprechen sollte. Das möchte ich jetzt da gar nicht wiederholen, weil sonst landen wir bei einer Eisenepisode. Aber ist für Läufer und Läuferinnen ganz, ganz wichtig, das Thema, weil natürlich hier viel mehr Impactbelastung ist, als wir es jetzt beim Radfahren haben oder beim Schwimmen haben.
SPEAKER_02Eine Sache, die mir aufgefallen ist, wenn wir vorher über Herzfrequenz geredet haben und wo laufe ich überhaupt in meiner Zone 2. Das Witzige ist, es gibt ja beim Radfahren diesen HF-Drift, den Herzfrequenz Drift, und den gibt es ja beim Laufen natürlich auch. Und da jedes Mal bis jetzt, wenn ich laufen gegangen bin, bin ich weggelaufen und habe mir gedacht, ich bin definitiv in meiner Zone 2. Also bin ich ewig lang mit 118 bis 125 irgendwo in der Gegend gelaufen und habe mir gedacht, hey super, das ist easy und mir geht es gut und das ist definitiv meine Zone 2, weil beim Radfahren hätte ich gesagt, ja, ganz gemütliche, chillige Ausfahrt. Und dann laufe ich und laufe und laufe ich. Und ich spüre einen Unterschied auch eigentlich auch gar nicht wirklich. Ich schaue dann ein paar Minuten später auf die Uhr und denke mir, ja, geht noch. Und dann nochmal 10 Minuten später schaue ich hin und plötzlich geht die Kurve Steine rum. Dann geht es plötzlich über 130 und spazieren dann Richtung 140. Und gegen Ende komme ich dann mit 140 heim, in derselben Pace wie mit 118 weggelaufen bin. Also der Drift ist beim Laufen massiv intensiver bei mir. Also kommt mir vor. Nein, du schüttelst den Kopf, bitte steig ein. Deswegen frage ich ja. Genau.
SPEAKER_00Finde ich super, dass du das fragst, weil wir haben mit Orturst, mit Laufen, so wirklich begonnen. Ende Mai. Mittlerweile haben wir Anfang Juli. Und wie wir in der Folge mit dem Cadiac Drift auch besprochen haben, kann das mehrere Ursachen haben. Einerseits, dass ich die Zone nicht treffe. Andererseits zu wenig Hydration. Wir schwitzen beim Laufen sehr viel. Wir haben aber keine Trinkflaschen mit meistens. Ja, das stimmt. Das heißt, das Thema Hydration ist natürlich schwierig. Das Thema der Kohlenhydratverfügbarkeit, wenn wir länger laufen gehen, ist bei dir jetzt nicht so das Thema, weil wir jetzt noch nicht so lange Trainings haben.
SPEAKER_02Aber definitiv bei den längeren Einheiten wird es dann hinten raus schwierig.
SPEAKER_00Bei 30 geht es, aber das dritte Thema, also der dritte Grund, wie gesagt, wenn wir jetzt die Zonen mal beiseite lassen, was sicherlich auch ein Thema ist, ist die Körperkerntemperatur. Weil dadurch seine Gesamtkörperbelastung ist, wir weniger Geschwindigkeit haben als beim Radfahren, kühlt es natürlich auch weniger. Und man muss dazu sagen, die letzten Wochen waren klimatisch ein absoluter Wahnsinn. Also wir hatten wirklich Hitzewelle. Und das ist natürlich, wenn ich jetzt dann noch eine Sportart mache, die ja schon von Haus aus mehr Wärme produziert, da spielt halt alles zusammen. Deshalb wundert mich das jetzt nicht. Das ist auch ein Grund, warum ich die letzten ein, zwei Wochen dieses Thema in der Trainingsanalyse eher mal beiseite geschoben habe, weil da passt keine einzige Grundlageneinheit mehr. Und wenn man wer drunter schreibt, ja, meine Herzrequenz ist fünf Schläge höher in der Grundlageneinheit, ich bin außer Form, ich werde krank, keine Ahnung, sage ich, naja, schauen wir mal einen Wetterbericht. Also das macht schon Sinn und wir können uns nicht, wir sind ja um 10, 15 Grad raufschnalzen in der kürzesten Zeit, das macht unser Körper nicht mit.
SPEAKER_02Ich habe auch, du hast witzigerweise ist mir aufgefallen, du hast gar nicht geschimpft mit mir, nachdem ich die letzten eineinhalb Wochen in dieser Hitzephase habe, wirklich dann teilweise in den Trainingsplan reingeschaut und habe mir aber dann gedacht, ich entscheide jetzt wirklich nach, wie geht es mir heute gerade, gehe ich heute überhaupt laufen oder Radfahren oder in den Kraftkeller. Oder lasse es einfach aus, weil halt mein Kreislauf irgendwie sagt, ich bin belastet genug. Ich glaube, die Ausrede hat man dann ab 50 auch leichter. Da darf man sich ein bisschen. Nein, es ist schon, also ich glaube schon, dass das einen Unterschied macht, auch wenn man fit ist.
SPEAKER_00Es macht für mich als Trainer insofern den Unterschied, was steht als Ziel an. Ich habe schon Leute, da muss ich ganz ehrlicherweise sagen, klar, die Argumentation ist immer da, aber da hake ich dann schon nach.
SPEAKER_02Ja gut, klar, wenn ich in der Vorbereitung kurz vor so einem Event wäre, dann würde ich, glaube ich, die eher fragen, kann ich die, soll ich das reduzieren vielleicht um die Hälfte oder was auch immer, aber da würde ich anders damit umgehen. Aber nachdem ich jetzt kein klares Ziel habe und eher sogar aus diesem Post-Blues rauskommen, denke ich mir, ich glaube, ich würde mir mental mehr Schaden zufügen, weil ich gegen meinen Willen was machen würde und dann würde es mich noch mehr anfangen und dann tue ich mir beim nächsten Mal noch schwerer und pflanze in meinem Kopf wieder dieses, genau das, wo wir am Anfang darüber geredet haben, der Anfängerfehler, den wir alle machen. Wir quälen uns da rein und dann ist beim nächsten Mal die Erinnerung an, oh, das war so zart. Ich glaube, ich will das nicht nochmal machen. Deswegen gehe ich momentan anders damit um als vorher. Also du erlaubst das nicht. Das ist keine allgemeine Freigabe für alle deine Athleten, zu sagen, es hat 40 Grad, ich mache halt heute Pause.
SPEAKER_00Nein, sicher nicht. Und das habe ich, also die meisten, die bei mir trainieren, wenn sie mir reinschreiben, ich habe das Workout verkürzt oder das Intervall verkürzt, weil Punkt, Punkt, Punkt, kriegen sie zu 80, 90 Prozent immer gute Entscheidung, absolut richtig, finde ich super. Weil es in den meisten, meisten Fällen absolut legitim ist. Es gibt allerdings jetzt auch Personen konkret. Wir arbeiten auf ein Ultrarad-Rennern hin, teilweise mehrtägig, und dann ist so, naja, es war so heiß, ich habe das Intervall verkürzt, wo ich mir denke, so, ich verstehe den Ansatz, aber wir sind gerade in so einer Trainingsphase, wo ich sage, hey, probier's wirklich, weil die Einheit, die wir jetzt haben, dauert zwei, zweieinhalb Stunden und du bist danach zwei oder drei Tagen unterwegs. Das wird sowieso eine Quälerei. Also das steht außer Frage. Dann hätte ich jetzt gern, das zu machen. Und das ist etwas, für das gibt es, finde ich, kein Patentrezept oder eine Pauschallösung, sondern das mache ich im Coaching individuell nach meinem Trainergespür. Und ich sage so, okay, da drücken wir jetzt nochmal drauf. Und das ist ganz, ganz selten der Fall. Wie gesagt, in 80, 90 Prozent der Fälle sage ich, okay, lass locker laufen. Bei der Person ist es auch konkret so, dass ich sage, da passt das Privatleben, da passt der soziale Stress, da passt der Arbeitsstress. Also da kann man wirklich im Sport nochmal drauf drücken, wenn man jetzt jemand kommt mit, es ist gerade im Privatleben mehr Stress da oder im Berufleben, dann immer rausnehmen.
SPEAKER_02Zurück zum Radfahrer sind keine guten Läufer, ein Stiegsthema. Ist mein Rückschluss aus dem allem, was ich jetzt über Laufen und Radfahren so mitgekriegt und gelernt habe, ist mein Rückschluss richtig, dass es klug ist für Radfahrer, zumindest ein bisschen Laufen einzuarbeiten, weil das Laufen dem Radfahren mehr hilft, als das Radfahren dem Laufen hilft.
SPEAKER_00Kann man natürlich machen. Sind wir, habe ich mit Hannes auch schon öfters besprochen, und gehen wir auch so weit, dass wir sagen, im Winter immer wieder mal einzubauen. Weil es natürlich im Winter ist die Trainingszeit eh tendenziell kleiner, vor allem beim Radfahren mit den Indoor-Einheiten wird das Gesamttrainingsvolumen kürzer. Kann ich sicherlich mal eine Indoor-Einheit gegen eine Radeinheit tauschen, gegen eine Laufereinheit tauschen. Was man halt schon ehrlicherweise sagen muss, wenn man einmal die Woche laufen geht, wird nicht viel passieren. Jetzt vom Fortschritt her. So ehrlich muss man sein.
SPEAKER_02Aber gar nicht vom Lauffortschritt her, sondern mein Gedanke war eher so, dass man diese Impact-Belastung dazu hat und dass man einen zusätzlichen Reiz hat, der dann beim Radfahren zu mehr Power führt. Ja, ich glaube.
SPEAKER_00Ja, ich würde es eher als psychische Entlastung sehen im Sinne von, naja, ich sitze einmal weniger am Argometer, ich habe Abwechslung. Und das Thema ist auch ein bisschen eine körperliche Entlastung, weil ich aus dieser Position rauskomme, aus der Sternposition am Rad und einmal eine andere Belastung, einen anderen Reiz habe. Also Alternativsportarten machen auf jeden Fall Sinn. Bin ein großer Fan im Winter zum Beispiel davon von Skitouren gehen. Ich mache es nicht, aber wenn das jemand machen möchte, finde ich das super, unterstütze ich das immer, weil ich kann bei einer Skitour sehr gut Herzfrequenz gesteuert, mein Grundlagentraining ersetzen am Ergometer. Bin zusätzlich draußen, in der Natur, in der frischen Luft. Also das finde ich perfekt. Manche gehen auch gern Skilanglaufen. Da muss halt die Technik und die Form wirklich gut sein, dass man da in die Grundlage kommt. Die meisten schnalzen genauso oben raus wie beim Laufen.
SPEAKER_02Ich habe langlaufen einmal probiert, mir macht es super Spaß, aber das war Wettkampftempo. Die ganze Zeit. Ich glaube, ich bin da mit 170 Pools durchgetonnert.
SPEAKER_00Aber es liegt halt an der Technik. Es ist auch eine sehr technische Sportart. Ich kenne ein paar Leute, die können das wirklich sehr, sehr gut. Und auch jemanden, der hat das leistungssportmäßig betrieben in seiner Jugend. Und der kann natürlich sein Grundlagentraining da machen, ohne Probleme. Aber das ist für uns, die das nie bis alle heiligen Zeiten machen, ist das halt ein hochintensiver Alternativsport und sicherlich kein Grundlagenersatz. Aber zurückzukommen auf Laufen kann man sicherlich einbauen und würde ich auch einbauen. Also Schaden kann es unter keinen Umständen und ich sehe eher die Vorteile in der psychischen Entlastung in den dunklen Monaten.
SPEAKER_02Mir taugt es sogar in den hellen Monaten gerade, die Abwechslung. Also am Ende des Tages, es ist keine haltlose Beleidigung an die Radfahrercommunity.
SPEAKER_00Ein Punkt noch, ein Praxispunkt noch, den ich gerne anbringen möchte, weil oft gesagt wird, naja, nimm die Zonen vom Radfahren, also Herzoganzzonen schlagt zehn Schläge drauf, dann passt es beim Laufen. Diese Faustregel gibt es und diese Faustregel steht auch bei den meisten Leistungsdiagnostikprotokollen unten drauf als quasi Pauschalempfehlung.
SPEAKER_02Dann wären wir ja wirklich in meiner Zone zwei.
SPEAKER_00Das kann passen, das kann aber genauso gut nicht passen. Ich habe, weiß nicht, wie viele hunderte Leistungsdiagnostiken gemacht, immer mit Triathleten, also sprich sowohl am Laufband als auch in der Radform getestet und zwischen den beiden Leistungsdiagnostiken waren teilweise zwei, drei, vier Wochen, also da ändert sich jetzt nichts. Und wenn man sich das ansieht, sieht man bei manchen, dass die zehn Schläge on point passen. Bei manchen sind die Herzogrenzen aber komplett gleich.
SPEAKER_02Okay.
SPEAKER_00Und bei manchen sind es sogar vielleicht mehr als zehn Schläge. Also da auch wieder so, ja, man kann es als pauschale Orientierung vielleicht heranziehen. Ich sage es aber gleich, wie es immer in der Statistik ist, das passt für 50% der Menschen und für 50% der Menschen passt es nicht.
SPEAKER_02Aber jetzt behaupte ich mal, nach dem allem, was ich so gelernt habe von dir, es ist zumindest kein Schaden mit dieser Formel angerichtet, weil wenn es 10 Schläge mehr sind, dann ist das Schlimmste, was passieren kann, dass ich ein bisschen zu locker trainiere, oder? Oder habe ich das jetzt komplett falsch verstanden?
SPEAKER_00Nein, ich glaube, du hast jetzt was falsch verstanden, weil wenn ich meine Radzone nehme, 10 Schläge dazu tue, ist das meine Laufzone.
SPEAKER_02Das heißt, wenn ich wenn ich aber dann keine 10 Schläge habe, dann würde das heißen, meine Zone 2 wäre, also sage ich jetzt einmal, wenn meine Zone 2 bei 130 ist im Schnitt und ich lege jetzt die 10 drauf, dann bin ich beim Laufen bei 140. Was bei mir jetzt gerade eventuell der Fall sein könnte. Wenn ich jetzt aber sage, okay, sicherheitshalber, schaue ich, dass ich denselben Puls treffe wie beim Radfahren, die 130, dann ist sehr wahrscheinlich safe. Sehr, sehr wahrscheinlich safe. Und für den Fall, dass bei mir aber so wäre, dass die 10 drauf kommen würden, bin ich halt schlimmstenfalls 10 drunter und bin zu locker gelaufen, was aber eigentlich besser ist.
SPEAKER_00Das heißt, das Fazit, die gleiche Herzsequenzzone heranzuziehen, die ich ausdiagnostiziert am Rad habe und dann beim Laufen zu verwenden, bringt dich sicher sicher mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit in die Grundlage rein. Es könnte sein, dass du vielleicht nicht am oberen Ende der Grundlage trainierst, was ja gar nichts macht, sondern eher am unteren, aber das passt ja genauso. Genau. Und insofern lieber so, als automatisch die 10 draufschlagen und dann quasi leicht drüber zu sein und schön mittelintensiv dahin zu grooven.
SPEAKER_02Und dann habe ich natürlich jetzt wieder die Frage mit dem Drift, wenn es bei mir zum Beispiel so ist, dass ich mit 120 die ersten 15 Minuten laufe und mir denke, das kann nur, also das ist, das ist sogar bei mir untere Grundlage, eigentlich bei 125, sage ich mal. Und dann denke ich mir, passt so, und ich bleibe einfach bei diesem Pace, bei diesem Speed, bei dieser Belastung, aber mein Pulse geht dann Richtung 138 oder vielleicht sogar manchmal mehr, wenn es high is liege trotzdem noch drin, weil dieser Drift ja wahrscheinlich von Hitze, Dehydrierung und so weiter eher kommt. Das heißt, ich kann mich da auf den Durchschnitt irgendwie orientieren.
SPEAKER_00Muss man sich im Einzelfall dann immer anschauen, aber bei der aktuellen Situation würde ich es auf jeden Fall auf Hydration, Kohlenhydrate Verfügbarkeit und Körperkerntemperatur schieben.
SPEAKER_02Okay. Ich denke, da kann jetzt jeder so circa was für sich selber ausnehmen und anfangen. Eine Sache noch, die ich gelernt habe unterwegs, weil du Kohlehydrat gerade gesagt hast, das ist ganz wichtig, ich glaube, da bin ich nicht der Einzige, dem es vielleicht passiert, weil ich zu dir gesagt habe, ja, okay, das Essen am Rad, ich verstehe ja, das habe ich jetzt gelernt, das kann ich jetzt. Das kann ich auch beim Laufen gar nicht machen, weil wenn ich das tue, dann kotze ich mir an und dann habe ich gelernt, warum es diese Zuckerpatronen ganz klein gibt. So mit, ich habe nie verstanden, wozu es diese halben Portionen, diese Mini-Dinger gibt, weil man immer gedacht habe, ich nehme den ganzen Blödsinn doch, das nehme ich doch nicht mit, dann nehme ich mir Müll am Rad mit als Essen. Die gibt es fürs Laufen.
SPEAKER_00Die halben Portionen, sind übrigens 30 Gramm Kohlenhydrate für unsere Zuhörer. Viele Personen finden das schon ein normales Gel. Das, was du als Normal empfindest mit 50, 55 Gramm, ist für manche so eine utopisch große Zuckerpatrone.
SPEAKER_02Aber ich weiß jetzt, wofür es die kleinen gibt.